Tihange: Warum erhalten nur Menschen bis einschließlich 45 Jahren Jodtabletten?

Von rund 1,5 Mio. Einwohnern der Region Aachen haben ca. 600.000 Einwohner Anspruch auf kostenfreie Jodtabletten. Dies sind Personen bis einschließlich 45 Jahren, Schwangere und Stillende. Der betroffene Personenkreis kann online (Link: https://jodtabletten.staedteregion-aachen.de/home) bis zum 15. November 2017 einen Bezugsschein für die kostenfreien Tabletten beantragen.

In der letzten Zeit haben Dr. Werner Pfeil MdL und sein Team viele Anfragen aus der Bevölkerung, insbesondere zur Altersbeschränkung, erhalten. Wir können die Sorgen der Einwohner und das Gefühl der Diskriminierung gut nachvollziehen. Umso wichtiger ist es uns, hier Aufklärung zu betreiben und die Hintergründe darzulegen.

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Jodtabletten sollen im Falle des Austritts von Radioaktivität eine Anreicherung radioaktiven Jods in der Schilddrüse verhindern und damit Gesundheitsschäden vermeiden. Radioaktives Jod hat die gleichen chemischen und biologischen Eigenschaften wie das in der Nahrung vorkommende natürliche Jod und wird deshalb wie normales, nicht radioaktives Jod in der Schilddrüse gespeichert. Werden rechtzeitig Tabletten mit einer hohen Konzentration nicht-radioaktiven Jods eingenommen, wird die Schilddrüse mit diesem „gesunden“ Jod gesättigt und kann kein radioaktives Jod mehr aufnehmen (sogenannte „Jodblockade“).

Nach den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission sind Personen bis einschließlich 45 Jahren sowie Schwangere und Stillende (altersunabhängig) die Zielgruppe für die Einnahme von Jodtabletten.  Erwachsene ab  46 Jahren sollen danach keine Jodtabletten einnehmen, da bei ihnen das Gesundheitsrisiko für schwere Schilddrüsenerkrankungen in Folge der Tabletteneinnahme höher ist als das Erkrankungsrisiko durch die Aufnahme von radioaktivem Jod. Jedoch kann diese Personengruppe individuell medizinisch prüfen lassen, ob ein Schutz mit Jodtabletten oder dem Medikament Irenat möglich ist.
 
Die Dosierung der Jodeinnahme ist für die einzelnen Altersgruppen genau festgelegt: Neugeborene bis zu einem Monat sollen 16,25 mg Kaliumiodid erhalten (entspricht einer viertel Tablette), Kleinkinder im Alter vom ersten bis zum 36. Monat 32,5 mg Kaliumiodid (entspricht einer halben Tablette), Kinder und Jugendliche von drei bis zwölf Jahren 65 mg Kalumiodid (entspricht einer ganzen Tablette) und Jugendliche ab 13 Jahren sowie Erwachsene bis einschließlich 45 Jahren und Schwangere sowie Stillende (altersunabhängig) 130 mg Kaliumiodid (entspricht 2 Tabletten).

Darüber hinaus erreichten uns vermehrt Anfragen zu möglichen Evakuierungsplänen. Solche Maßnahmen sind gemäß der aktuellen Erlasslage für die StädteRegion Aachen nicht vorgesehen und nach allerhöchster Wahrscheinlichkeit auch nicht erforderlich. Für den Fall einer Freisetzung von Radionukliden ist der Verbleib im Haus sinnvoll und wird auch angeordnet werden. In diesem Fall ist es notwendig, dass sich jeder Einwohner gemäß der Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für einige Tage selbst mit Trinkwasser und Nahrung versorgen kann, ohne das Haus zu verlassen.

 

Ergänzend zu dieser Informationen empfehlen wir Ihnen die Broschüre „Information für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerkes Tihange“, die Sie bei der Stadt Aachen, der StädteRegion Aachen und den Landkreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen anfordern oder hier kostenfrei downloaden können:

Informationsbroschüre für die Bevölkerung
Information für die Bevölkerung in der
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Dr. Pfeil MdL und die FDP-Landtagsfraktion verfolgen unverändert das Ziel, eine Abschaltung des Kraftwerkes herbeizuführen. Werner Pfeil hat hierzu u.a. mehrere Reden im Plenum gehalten, die Sie hier einsehen können (Link).

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